Kurzfassung der Geschichte von Miletitsch nach den Heimatbüchern von 1936 und 1961


Nach dem ersten großen Sieg des Prinzen Eugenius über die Türken 1686 und der Befreiung der Wojwodina, bot sich dem Beobachter ein trauriges Bild – auf der Ebene herrschte vollkommene Stille. Ausgedehnte, pestgeschwängerte Moräste, wildes Getier und Gestrüpp hinderten am Fortkommen und machten die Landschaft ungastlich. Das Volk aber, das einst die hier blühenden Ortschaften bewohnte, war verschwunden.

Nun erachtete der geistige Führer der Serben, Patriarch Arsen Cernojewic, die Zeit als günstig, den Kampf gegen die Türken aufzunehmen. Er erlitt aber eine Niederlage und sah sich veranlaßt, die Heimat zu verlassen, um sein Volk der Türkenrache zu entziehen und zog mit 35 000 bis 40 000 Serben nach Norden in die Wojwodina. Da nach dem Friedensschluß von Karlovci 1699 Serbien in den Hände der Türken verblieb, wurden sie als Untertanen der Monarchie Österreich-Ungarn aufgenommen und verblieben in der Wojwodina.

In dieser Zeit finden wir auch auf dem Hotter unserer Gemeinde Pußten, deren Namen die einzelnen Parzellen unserer Felder heute noch führen – Seleschtje (Scheleschtwiesen), Obsenica (Obsenwiesen), Stara Pußta (Altes Feld). Hart an der Mostonga aber befand sich die Pußta Mileta. Die Bewohner dieser Pußten waren teils der Grenzwacht zugeteilt, teils aber betrieben sie Viehzucht, jedoch kaum Ackerbau.

Als die Wojwodschaft von den Türken befreit war, haben zunächst einige ungarische Großgrundbesitzer, 1723 aber der ungarische Landtag beim Kaiser um Zulassung Reichsdeutscher Kolonisten angesucht. Doch kam man zunächst über einzelne Versuche nicht hinaus. Damit war aber der Auftakt zur später einsetzenden Besiedlung geschehen, welche erst nach Auflösung der Militärgrenze neue Impulse bekam. Wirklichen Aufschwung bekam die Ansiedlungstätigkeit aber erst durch das Ansiedlungspatent von Maria Theresia 1755. Sie erfuhr durch den Siebenjährigen Krieg aber eine kurze Unterbrechung und im Jahr 1763 einen erneuten Aufschwung. 1748 – 49 wurden in Csatalya und Apatin und 1759 in Hodschag die ersten Deutschen angesiedelt und nach 1763 in den Gemeinden Batsch Sentiwan, Filipowa, Kernei, Gajdobra, Palanka, Gakowa, Bukin, Kolut, Bazdan und Karawukowa. In der zweiten Ansiedlungszeit, der Josephinischen 1785 – 87 wurden die Gemeinden Torschau, Bulkes, Jarek, Kula, Siwatz, Brestowatz, Weprowatz und Miletitsch mit Deutschen besiedelt.

Nahe liegt uns natürlich die Frage, ob es auch vor dieser Zeit in Miletitsch schon einige Deutsche gegeben hat. Da Miletitsch in keiner Ansiedlerliste angeführt ist, läßt sich das nicht mit Sicherheit sagen, da die ersten Deutschen in Miletitsch von der Pfarrei in Hodschag betreut wurden, in den dortigen Kirchenbüchern aber erst ab 1784 Miletitscher angegeben sind, so daß sich nur schwer sagen läßt, welche Eintragungen vor 1784 sich auf die Miletitscher beziehen. Eine Steuerliste von 1784, als vor der eigentlichen Ansiedlung, führt unter anderen auch 62 Deutsche an.

Die eigentliche Ansiedlung Deutscher in Miletitsch erfolgte 1786 – eine zweite 1791 und vereinzelt auch 1795 und 1798, was sich an Hand der Nachforschungen nachweisen läßt, obwohl auch darüber keine Ansiedlerlisten oder sonstige Akten Auskunft geben. Der Großteil der Miletitscher Ansiedler kam aus dem Schwarzwald, jeweils ein kleiner Teil aus der Pfalz und Nordbaden, einige aus dem Raum Mainz-Trier und einige aus Lothringen und dem Saarland, wie auch aus Hohenzollern-Sigmaringen.

Während die ersten Deutschen in Miletitsch vor 1786 in den Kirchenbüchern von Hodschag eingetragen sind, hat man die Lebensdaten der Ansiedler von 1786 zunächst in Karawukowa eingetragen, bis dann im April 1787 in Miletitsch eigene Kirchenbücher angelegt wurden. Die deutsche Bevölkerung in Miletitsch vermehrte sich rasch: 1820 zählte sie schon 1898 Seelen und 1836 schon 2216 und 1936 war Miletitsch eine rein deutsche Gemeinde mit 765 Wohnhäusern und 3837 Einwohnern.

Die Frage, was unsere Ahnen zur Auswanderung bewog, um eine neue Heimat zu suchen, diese bedeutsame Frage mit ihrem sittlichen uns sozialen Gewicht, können auch wir nicht übergehen oder mit Gleichmut behandeln, denn vor der Beantwortung derselben hing in erster Linie der Entschluß ab und nicht von den Ansiedlungpatenten von Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Joseph II. Sie wird auch von keinem Heimatforscher übersehen und treffen im wesentlichen auch den Hauptgrund – Wirtschaftsnot. So ist es auch zu verstehen, wenn diese Ansiedlungspatente einen großen Einfluß auf die Entscheidung zur Auswanderung hatten.

In sorgfältiger Planung war die Ansiedlung vorbereitet worden – 15 Häuser waren von den bereits ansässigen Deutschen vorher aufgestampf worden und 5 befanden sich im Stampfen. Die restlichen 20 wurden noch im Sommer 1786 fertig und konnten bezogen werden. Es waren schlichte, einfenstrige Kolonialhäuser, und doch muß es unseren Ahnen mit einer unvorstellbaren Freude erfüllt haben, nach der Unfreiheit in der Heimat und den Strapazen der weiten Reise ins eigene Heim einziehen zu können.

Trotz der vielen Vergünstigungen die unsere Ahnen hatten, erlebten sie anfangs keine gute Zeit – mühevolle Arbeit und geduldiges Ertragen der mannigfachen Schicksalsschläge war ihr Los. Ein Großteil der Kolonisten bestand nicht aus eigentlichen Bauern, sondern aus Handwerkern und Taglöhnern, die von der Ackerbestellung wenig wußten; auch hatten sie keine vorbereiteten Äcker, sondern mit Gestrüpp und Rohr bewachsene und sumpfige Felder, deren Kutivierung nicht nur mühevolle Arbeit erforderte, sondern auch kräftige, wiederstandsfähige Naturen vorausetzte, um den Sumpfkrankheiten Trotz zu bieten. Um das Maß voll zu machen, stellte sich 1786 – 1790 Grundwasser ein, wodurch die Saat vollständig vernichtet wurde. Sie hatten einen schweren Kampf zu bestehen, ihr ganzes Leben lang, doch ihr Fleiß und ihre Zähigkeit blieben nicht unbelohnt – sie haben den Grundstein gelegt zu dem geistigen und wirtschaftlichen Aufbau unserer Gemeinde.

Aber auch die Enkel der Ansiedler hatten einen schweren Lebenskampf zu führen. 1836 wurde unsere Gemeinde von der Cholera heimgesucht und raffte in einem Monat 87 Einwohner hinweg. Am 26. April 1865 kam ein neues Unglück über unsere Gemeinde. Eine Feuersbrunst äscherte die 1786 aufgebaute Neue Gasse fast vollständig ein und warf viele Einwohner wirtschaftlich um Jahre zurück. In den Jahren 1872 – 73 war das Grundwasser wieder so hoch, daß die Saat verdarb, auch brach im selben Jahr, wie schon 1836, erneut eine Choleraepidemie aus und lichtete die Reihen unserer Vorfahren wieder sehr stark. Dann kam der Erste Weltkrieg, aus dem 151 Miletitscher Söhne und Väter nicht mehr heimkehrten.

In Bezug auf einen eigenen Pfarrer und ein Gotteshaus wurde unseren Ahnen eine lange Geduldsprobe abverlangt. Die Kirchengemeinde wurde zwar schon 1782 gegründet, doch mit der Einsetzung eines Pfarrers und dem Bau eines Gotteshauses ging es nicht so schnell. Schon 1786 wurde ein Antrag gestellt, einen eigenen Pfarrer zu bekommen, doch wurde 1787 zunächst eine Kaplanschaft errichtet, welche bis 1798 bestand, erst dann bekamen sie ihren ersten Pfarrer. Mit dem Bau einer Kirche mußten sie aber noch lange warten. Im Jahr 1810 wurde ein Antrag zum Bau einer Kirche gestellt, aber einige Schwierigkeiten verhinderten zunächst den Bau und erst 1816 konnte endlich damit begonnen werden. 1824 wurde sie dann eingeweiht und sie zählt mit zu den schönsten der Umgebung. Fast 50 Jahre mußten unsere Ahnen auf diesen Augenblick warten und sich mit einem einfachen Bethaus begnügen – welch ein beglückendes Ereignis für diese tiefgläubigen Menschen.

Hinsichtlich der ehemaligen Verwaltung unserer Gemeinde ist der Fund an Belegen dürftig. So wissen wir nur, daß das erste Gemeindehaus vermutlich schon 1745 erbaut wurde und sich in ihm auch die Notärwohnung befand. 1880 wurde das noch heute stehende Gebäude erbaut. Aus einzelnen Urkunden ist ersichtlich, daß der Ortsvorstand nicht nur über die wirtschaftlichen Angelegenheiten der Gemeinde verfügte, sondern in örtlichen Streitfällen auch rechtskräftiges Urteil sprach. Zur Bewachung der Feldfrüchte, der Haustiere sowie der Haus- und Wirtschaftsgeräte waren „Hotterhüter“ gedungen. Die Hotterhüterverordnung dauerte bis zur Einführung der Polizei im Jahre 1890. Bis 1868, in welchem Jahre Miletitsch ein Postamt bekam, wickelte sich der Postverkehr im Gemeindehaus ab. Die Telegrafenstation wurde 1884 errichtet. Eine zur Bahn- und Schiffsstation führende Pflasterstraße zwischen Hodschag und Bogojewo wurde 1889 – 91 erbaut und brachte eine große Erleichterung für den Transport der Güter, vor allem der Hanfgüter. 1911 wurde das Notärhaus neu aufgebaut und der Telefonverkehr eingeführt. 1914 wurde die Eisenbahnstrecke Hodschag – Sonta dem Verkehr übergeben und brachte eine weitere große Erleichterung für den gesamten Transport der Güter und der Menschen. Schon 1920 wurde in Miletitsch Strombeleuchtung eingeführt, worin es gegenüber stärkeren Nachbargemeinden führend war.

Das Schulwesen der deutschen Ansiedler war von Anfang an mit der Kirche eng verbunden, was sich aus der geschichtlichen Entwicklung des Schulwesens erklärt, das schon vom frühen Mittelalter her in den Händen der Priester lag. Andererseits aber konnte sich das Verhältnis der Schule zur Kirche bei den Kolonisten ja auch nicht anders gestalten, da außer den Priestern niemand da war, der Lesen und Schreiben vermitteln konnte. Als Lehrer betätigten sich anfangs meist ausgediente Soldaten oder einfache Handwerker, deren Bildung über Lesen und Schreiben kaum hinausging und selbst noch der Schulung bedurften. Erst später konnten geschulte Kräfte als Oberlehrer eingesetzt werden. Als Schule diente zunächst das Bethaus, später wurde im Lehrerhaus eine Schulstube eingerichtet und erst 1823 wurde das erste Schulgebäude errichtet. Erst unter diesen verbesserten Verhältnissen konnte sich das Schulwesen entwickeln, was durch die Bildung eines Schulausschußes im Jahr 1869 seinen Niederschlag fand und sich durch die Errichtung einer Wiederholungsschule 1872 und einer Turnschule 1874 fortsetzte. Diese gute Entwicklung erfuhr 1890 durch eine Ministerialverordnung eine Behinderung, welche die Verwaltung des Schulvermögens der politischen Gemeinde zusprach, während die innere Verwaltung dem Schulausschuß überlassen blieb, was keinesfalls zum Vorteil der Schule und der Schüler war. 1902 wurde eine Landwirtschaftliche Wiederholungsschule errichtet und zeigte eine weitere Entwicklung des Schulwesens auf, welche aber durch den Ersten Weltkrieg erneut unterbunden wurde und erst danach wieder eine Fortsetzung fand. Die Einverleibung der Gebietsteile der ehemaligen Wojwodschaft durch den Südslawischen Staat brachte auch für die deutsche Schule eine neuere und bessere Zeit – Bleigewicht des fast hunderprozentigen Unterrichts in der magyarischen Fremdsprache war von ihr genommen und sie kehrte zu ihrer ureigentlichen Aufgabe zurück, die Kinder für das praktische Leben in ihrer Muttersprache vorzubereiten.

Bevor sich die Deutschen niederließen, war im Ort von Ackerbau nur wenig zu merken, von 132 Sessionen waren kaum 10 bebaut, was für den eigenen Bedarf reichen mochte; die Hauptbeschäftigung der serbischen Bewohner war schon immer die Viehzucht. Erst die deutschen Siedler betrieben mehr Ackerbau – meist Weizen, Mais und Hafer, aber auch etwas Gerste und vor allem Hanf wurden angebaut.

Wie allgemein, wurde auch bei uns der Ackerbau anfangs mit den einfachsten Geräten betrieben. Hemmend war auch die Lage unseres Hotters, der zu einem salitrisch ist und zum anderen 8 – 9 km vom Ort entfernt liegt. Erst mit der Einführung moderner landwirtschaftlicher Geräte erfuhr die Landwirtschaft große Erleichterung, besonders 1879 durch die erst Dreschmaschine. 1890 wurde die erste Kanalisierung durchgeführt, welche durch die Entwässerung von 629 Kat. Joch für die landwirtschaftlichen Betriebe einen großen Segen bedeutete. 1892 wurde die erst Sämaschine und 1900 die erste Mähmaschine eingesetzt, und die Modernisierung brachte weiteren Aufschwung. Als 1907 die Flurbereinigung der Grundstücke durchgeführt wurde, kam die Landwirtschaft in hohe Blüte, besonders der Hanfbau. Das geistig-gesellige Leben im Bauernstand nahm erst im 20. Jhd. seinen Anfang, als 1900 der „Südungarische Landwirtschaftliche Bauernverein“ entstand. Durch den Zusammenschluß mit dem 1907 gegründeten „Komitats- Landwirtschaftlichen Verein“ wurde eine einflußreiche Körperschaft gebildet, die der Landwirtschaft in allen Bereichen zur Förderung diente.

Im serbischen Miletitsch gab es nur solche Gewerbebetriebe, die mit der Viehzucht in Verbindung standen – Opankenmacherei, Kürschnerei und Wollweberei. Maurer, Zimmerleute, Wagner und Schmiede fehlten ganz und erst die deutschen Ansiedler brachten diese Berufe nach Miletitsch. Schon Anfang des 19. Jhd. waren fast alle Gewerbezweige vertreten und 1842 gab es schon die ersten Zünfte, die bis zur Auflösung der Zünfte 1872 tätig waren. Die hatten anfangs gleich den Bauern mit Schwierigkeiten zu kämpfen und kamen nur langsam voran. Der Grund lag meist daran, daß die ersten Ansiedler vor 1786 ihren Bedarf in Apatin oder Hodschag besorgten und sich diese Gepflogenheit auch danach lange fortsetzte. Einige gewerbliche Betriebe, wie eine Tischlerfabrik, Essigfabrik, Stärkefabrik und die Milchgenossenschaft konnten sich nicht lange halten. Dafür kamen andere Gewerbezweige zu Blühen, so die Strumpf- und Jackenstrickereien, die Kürschnerei und Färberei und eine kleine Spezialität von Miletitsch, die Kunstblumenerzeugung. Auch die Roßmühlen mußten dem Aufschwung weichen und zwei modernen Dampfmühlen Platz machen, die eine starke Leistungsfähigkeit besaßen und Gebiete des Staates und das Ausland belieferten.

Zum Hauptgwerbe, wie auch zum Handel lieferten die Hanffelder den Rohstoff. Obwohl der Hanfbau nur für den Hausbedarf berechnet war, entwickelte sich diese Kultur nach und nach zur größten Ausbeute für Gewerbe und Handel und trug so den Löwenanteil zum wirtschaftlichen Aufschwung von Miletitsch bei. Wenngleich der Mittelpunkt des Bauernhanfmarktes stets in Hodschag war und ist, hat sich in Miletitsch die Hanfindustrie doch derart entwickelt, daß unsere Brechereien und Hecheleien, Trockenhäuser, 3 Hanffabriken und mit ihnen die Seilereien mit zu den ersten auf diesem Gebiet gehörten. Wenn man es richtig betrachtet, ist der Hanf, sein Anbau, die Bearbeitung und Verarbeitung zu Seilerwaren fast das einzige Produkt, welches Miletitsch einen großen Aufschwung brachte und über alle Krisen hinweghalf.

Die Miletitscher waren ein geselliger Schlag. Nach der schweren Arbeit, am Sonntag und an Feiertagen liebten sie das Gespräch mit den Nachbarn und de Bekannten oder Verwandten. Als echte Donauschwaben standen die Miletitscher aber auch allem Neuen in der Wirtschaft offen gegenüber. Von allem Anfang an hatten sie sich ja an das Ungewohnte in ihrer neuen Heimat anpassen müssen, denn sie waren ja aufeinander angewiesen.

Diese beiden Eigenschaften, die wirtschaftliche Aufgeschlossenheit und das Streben nach Geselligkeit, verbunden mit einem ausgeprägten Sinn für das Feierliche, äußerten sich am stärksten im Brauchtum und im Vereinsleben. Aus der entstandenen Gemeinschaft wuchsen die vereine und Genossenschaften heraus. Diese Gemeinschaft bot jedoch nicht von Anfang an die Vorausetzung für ihre Entstehung und ihr Wachsen. Unsere Ahnen hatten schwer zu arbeiten, sie waren nicht wohlhabend, das Wirtschatftsleben war nicht gegliedert, die Bedürfnisse der Seele und des Geistes fanden zunächst in der Religion und im Brauchtum ihre Befriedigung; zudem kam das Recht der freien Vereinigung erst im Jahr 1848. Dann aber kam eine Blütezeit – kulturelle, religiöse und Unterstützungsvereine entstanden in großer Zahl und zeugten von dem Gemeinsinn und dem Streben nach einer schöneren Gestaltung der Feste.

Als Bahnbrecher der kulturellen Vereine ist der 1901 gegründete „Landwirtschaftliche Bauernverein“ anzusehen. Der Träger des gesamten kulturellen Vereinslebens in Miletitsch war und ist der „Handels- und Gewerbeverein“ der 1908 gegründet wurde und alle Handels- und Gewerbetreibende vereint. 1927 wurde der Arbeiterverein gegründet und fußt in dem durch zahlenmäßige Stärke gehobenen Standesbewußtsein der Arbeiter. Dieser Verein löste in der näheren Umgebung von Miletitsch eine Art Arbeiterbewegung aus und fand viele Nachahmer. Das 1929 gegründete Bauernheim strebte die Schaffung eines gemeinsamen Heimes für die den landwirtschaftlichen Belangen dienenden Genossenschaften und Vereinen an. 1928 wurde der Verein „Freiwillige Feuerwehr“ gegründet, welcher1931 bei der Bezirks-Feuerwehrübung den ersten Preis erringen konnte. 1938 wurde ein modernes Feuerwehrhaus erbaut. Wo die ganze Welt sich auch auf dem sportlichen Gebieten aufs moderne umstellte, konnte die Miletitscher Jugend nicht nachstehen, und so fand 1930 die Gründung des Miletitscher Sportvereines statt, der sich dem Sportzweig Fußball widmet.

1920 wurde der Schwäbisch-Deutsche Kulturbund gegründet. Es ist dies kein Verein im gewöhnlichen Sinn, denn er vertritt nicht eine einzelne Standesgruppe, sondern umfaßt alle, denn er dient nicht bloß der einen oder anderen Berufsgruppe, sondern dem Volksganzen in seiner kulturellen Eigenschaft. Der Bund steht also gewissermaßen über den Vereinen, die alle in ihm Platz finden, sofern dieselben mit dem Wahlspruch „Staatstreu und Volkstreu“ nicht in Widerspruch stehen. Die eigentliche Entfaltung des Kulturbundes begann 1926, wo eine rege Tätigkeit auf allen Gebieten einsetzte. Die Jugendgruppen pflegten das deutsche Volkslied und den Volkstanz, spielten Theater und führten viele andere Veranstaltungen durch, denn die kulturelle Zielsetzung war die Pflege der Muttersprache und die Belebung des Volksbewußseins. Dieser Arbeit schloß sich die 1934 in Miletitsch neugegründete Ortsgruppe an und schon 1935 bewies der Kulturbund mit einem schön gestalteten Erntedankfest, welche bedeutende Rolle er im kulturellen Leben der Gemeinde spielt, und daß er der Dorfgemeinschaft ein wirkliches Anliegen war. Noch stärker zeigte sich dies bei der 150-Jahr-Feier 1936, die zum Gedenken an die Erstbesiedlung Miletitsch's mit Deutschen im Jahr 1786 abgehalten wurde. Dieses Fest wurde zu einer der würdigsten Gemeinschaftsleistungen in der Geschichte von Miletitsch.

Doch alles Leben bedeutet Entwicklung, und diese Entwicklung ging schnell. Was Generationen hindurch gleich geblieben war, die Sitten und

Gebräuche, die Tracht, die Arbeitsweise in der Landwirtschaft, standen am Beginn einer tiefgehenden Wandlung. Da kam das Jahr 1944 und mit ihm das Ende unserer Dorfgemeinschaft. Was sie geworden wäre, können wir nur denken, doch was sie war und wie sie unterging wollen wir niederschreiben, bevor die Bilder in der Erinnerung verblassen oder aus dem Gedächtnis der Menschen entschwinden.